Schwedter Judoka ist Berliner Meister

Marco Biste ist der einzige ID – Judoka des TSV Blau-Weiß 65 Schwedt e.V.. ID steht hier für den englischen Begriff „intellectual disability“. Das bedeutet, dass Marco langsamer als andere Judoka den Sport erlernen muss und auf Grund dieser Besonderheit wird das Wettkampfreglement auch an die Bedürfnisse dieser Sportler, die sich in Wettkampfklassen einteilen, angepasst. Bestimmte Techniken sind einfach nicht erlaubt. Was auf den ersten Blick als Erleichterung erscheint, ist natürlich eine Herausforderung. Denn Marco Biste trainiert ganz normal mit uns in der Jugend-/Erwachsenengruppe und lernt so automatisch, seinen Bewegungen und Impulsen zu folgen. Was im Training erlaubt sein kann, darf er unter Umständen nicht anwenden, wenn es zu Turnieren auf die Matte geht. Seine ersten Erfahrungen musste Marco im letzten Jahr nun ausgerechnet auf einem hoch dotierten Turnier machen. Hier startete er für Brandenburg bei der Deutschen Meisterschaft im ID-Judo und erreichte einen passablen siebten Platz. Nun bot sich mit der Offenen Berliner Meisterschaft im ID-Judo die Gelegenheit, das neu Erlernte unter Beweis zu stellen. Und Marco Biste lieferte hier eine grandiose Serie an Siegen und erreichte die Goldmedaille. Bei den Judo – Hasen Spandau organisierte der ID – Referent des Berliner Judoverbandes Sven Neuber unterstützt von seiner Crew und mit viel Engagement ein tolles Turnier. Der Schwedter Biste startete in der Wettkampfklasse II. Seine Gewichtsklasse war gut besetzt und Marco kämpfte sich durch drei Runden ins Finale. Der erste Gegner vom Berliner Sportverein Inklusiv Johannesstift, Lukas Becker, machte es durch seine untersetzte Statur dem groß gewachsenen Biste nicht einfach, die Deckung aufzubrechen und einzudrehen. Zwei Wertungen mussten in den Kämpfen erreicht werden, um als Sieger von der Matte zu gehen. Zunächst landete Becker vor dem Schwedter auf dem Bauch und Marco drehte ihn in die Festhaltetechnik, was ihm gar nicht so leicht viel. Der zweite Angriff war schon ausgefeilter. Biste ließ den Berliner über eine Kniestopptechnik nach vorne stolpern und schoss dann blitzschnell in die Körperdrehung, um mit einem Handwurf (Tai Otoshi) Becker auf die Matte zu schicken. Auch im zweiten Kampf konnte Marco mit seiner Spezialtechnik dem Tai Otoshi punkten, Nachdem er wieder mit einer Festhalttechnik in Führung ging schien der bullige Osman Aydogdu vom TSV Spandau mit starker Agilität nach vorne den Spieß umzudrehen. Gut das der Schwedter ein Ohr für die Stimme des Trainers am Mattenrand hatte. Als Aydogdu wie ein Bär gegen den Schwedter anschob, drehte Biste zum Tai Otoshi ein und der Gegner landete auf dem Rücken – Ippon und somit Sieg im zweiten Kampf. Danach folgte das spannende Finale gegen deutlich jüngeren aber nicht unerfahrenen Achmed Schawhalow vom Berlin Dojo Spandau. Dieser war punktgleich und für beide Kämpfer ging es um das begehrteste Edelmetall. Doch der Schwedter setzte sich durch und holte nach zwei Wertungen fast vor dem Zeitaus die Goldmedaille für den TSV Blau-Weiß 65 Schwedt e.V. und sicherte sich den Titel Berliner Meister in seiner Gewichtsklasse. Doch für Marco Biste war der Tag noch nicht zu Ende. Nach gutem Zureden durch den Trainer ließ sich Marco davon überzeugen, noch gegen den Spandauer Sebastian Fasel Trainingskämpfe zu absolvieren. Hier war Marcos Geschick gefordert. Zum einen war da der Gewichtsunterschied von 10 kg und zum anderen die Erfahrung, die Fasel mitbrachte. Auch wenn er hier im Training dem schwereren Fasel unterlag, konnte Marco wertvolle Erfahrungen sammeln. Hinzu kommt, die Motivation immer weiter zu lernen, denn wie Fasel erwähnte, wird er in den nächsten zwei Jahren seinen 1 Dan im ID-Judo ablegen. Ein hohes Ziel, was den Schwedter Sportler Biste beeindruckte und ihn im Bestreben, fleißig zu trainieren, nur bestärkte. Ein besonderer Dank gilt hier auch Trainingskamerad Matthias Teubner, der Marco speziell im Training betreute, wenn das Lerntempo wieder einmal viel zu zügig von statten ging.

Matthias Schwarz

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